Digital gegen den Pendelverkehr

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12. Oktober 2019


Die flexible Wahl des Arbeitsortes hat viele Namen, wie Remote Work, Home-Office, Webworking, oder deutsch Telearbeit. Obwohl unzählige Untersuchungen die positiven Effekte belegen und die Einsparungen an Ressourcen unbestritten sind, bleibt das Konzept hinter seinem Potential zurück.

Was bringt es?

Klimaschutz und Digitalisierung sind zwei höchst politische Themen, deren öffentliche Zielsetzungen, also mehr Digitalisierung bei geringerem Ressourcenverbrauch in einem offensichtlichen Widerspruch stehen. Es gibt jedoch nicht wenige Bereiche, in denen die Digitalisierung im Kampf um sinkende Emissionen unterstützen kann. Eines davon mit besonderem Einsparpotential ist der Pendelverkehr.

Die Herstellung eines Computers verursacht eine ähnliche Menge an CO2 wie 1200km Fahrt mit dem Diesel PKW (bei 6,5l/100km).12 Manche reisen diese Strecke wöchentlich.

Durch die (leider noch viel zu oft nur theoretische) Befreiung der Büros vom Papier und durch die Vernetzung von Rechnern schafft die IT die Grundlage dafür, dass potentiell sehr viele Tätigkeiten remote, also von einem anderen Ort, zum Beispiel auch von zu Hause durchführbar sind. Während die Anzahl derer, die angeben, teilweise von zu Hause aus arbeiten zu können, in den letzten Jahren ansteigt, so bleibt der Anteil der Arbeit aus der Ferne meist unter 25%. Sehr oft ist Freitag der Home-Office-Tag oder Mitarbeiter wählen einen Tag in der Woche aus. Gleichwohl beweist dieser eine Tag die prinzipielle Möglichkeit und lasst weiteres Potential mehr als nur wahrscheinlich erscheinen.

Insgesamt pendeln gerade die deutschen Angestellten heute im Mittel weiter als vor zwanzig Jahren. Wie kann das sein? Neben den offensichtlichen Einsparungen von Energie werden auch Vorteile für die Gesundheit und Angestelltenzufriedenheit gut untersucht. Wo liegen also die Hürden?

Warum so wenig?

Laut statista.com gibt es es im Wesentlichen drei Gründe: 63% der befragten Unternehmen nennen die Vermeidung von Ungleichbehandlung, 46% sorgen sich um Produktivitiätsverluste durch fehlenden Austausch und 39% sehen sich durch gesetzliche Regelungen behindert. Bei der Produktivität finden jedoch im Gegenteil Berichte über Steigerungen, zum Beispiel auf onlinemarketing.de oder im Artikel zur Angestelltenzufriedenheit auf welt.de. Spannend sind die beiden anderen Argumente, vor allem im Wechselspiel.

Möglicherweise sorgt man sich um die Gleichbehandlung von Mitarbeitern, die potentiell mobil sind, und jenen, die nicht. Während jeder Büroangestellte zumindest theoretisch via Internet von jedem Computer aus arbeiten kann, trifft das auf die Mehrheit der Berufe nicht zu, darunter fast sämliche aus Handwerk und Vertrieb. Man darf sich aber durchaus fragen, ob es nicht besser wäre, die, die pendeln müssen, für diesen Aufwand zu entlohnen, anstatt den Missstand zum Standard für alle zu erheben. Aktuell “bezahlen” alle3. Analog verfahren wir mit Zulagen für Wochenend- und Schichtarbeit.

Wahrscheinlich sorgt man sich aber nicht weniger auch innerhalb des “potentiell mobilen” Personals um die Gleichbehandlung von Festangestellten und extern eingekauften Mitarbeitern. Während letztere zumindest als Selbstständige problemlos auch aus deren eigenen Büroräumen arbeiten können, stellt das zum Arbeitsplatz werdende Heim bei Angestellten ein bürokratisches Monstrum bei den Themen Arbeitschutz und Unfallversicherung dar. Man sollte sich vielleicht noch einmal vor Augen führen, dass, egal welche Versicherung den Unfall bezahlt, das Risiko eines Unfalles fast immer sinken sollte, wenn man zum Erreichen der Arbeit nicht durch den Straßenverkehr muss.

Was zu tun ist

Zunächst sollten Fahrtzeiten und Fahrtkosten als etwas angesehen werden, dass man eher vermeiden bzw. minimieren möchte. Dort, wo Reisezeit als Arbeitszeit gilt, sieht man das wenig überraschend auch heute schon so. Durch finanzielle Anreize dürfte sich hier sehr schnell eine Veränderung einstellen. Des Weiteren liegt es an der Politik, bürokratische Vereinfachungen für Arbeitsplätze zu schaffen, ohne dabei bestehende Sicherheitsbestimmung derart aufzuweichen, dass neue Risiken entstehen.

Wie es mich betrifft

Als Selbstständiger

Täglich erreichen mich Anfragen zu Projekten im gesamten deutschsprachigen Raum, bei denen die deutliche Mehrheit eine Anwesenheit an einem Projektstandort zu mindestens vier Tagen pro Woche “erfordert”. Tatsächlich lehne ich sehr viele Anfragen, die technisch sehr spannend wären, aus nur diesem Grund sofort ab.

Als Softwareentwickler

Als Entwickler sehe ich eine besondere Anforderung bei meiner Zunft, Programme und Systeme so zu gestalten, dass sie von ihrer Konnektivitiät, Performance und vor allem Sicherheit geeignet sind, um von Mitarbeitern remote verwendet zu werden. Alle notwendigen Technologien dazu sind vorhanden.

Gegenargumente

Es gibt natürlich nicht nur positive Stimmen zur Telearbeit. So kommt man nicht nur bei newsroom zu dem Ergebnis, dass der Stresspegel steigen kann, wenn Arbeit und häuslicher Alltag sich vermischen. Gerade deswegen geht es nicht daraum, überstürzt jeden Arbeitsplatz nach Hause zu verlagern. Stattdessen sollte daraufhin gearbeitet werden, möglichst günstige Rahmenbedingungen für großzügige Home-Office-Regelungen zu schaffen, um möglichst großen Teiler der Belegschaft diese Möglichkeit anzubieten. Software kann bei der Herstellung von für Remote-Arbeit günstigen Rahmenbedingungen helfen. Je mehr zu verwendende Werkzeuge außerhalb des Firmennetzwerkes erreichbar sind, desto mehr Arbeitsschritte und damit auch Positionen sind (zumindest technisch) für eine Erledigung von überall geeignet.

Um dieses Ziel zu erreichen, sind hohe Qualitätsstandards insbesondere bei der Sicherheit der Anwendungen notwendig. Auch bei der Auswahl an Tools für Audio-/Videokonferenzen (mit Bildschirmübertragung) muss hier besonders sorgfältig und konsistent vorgegangen werden.


  1. https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/elektrogeraete/computer-pc-laptop#textpart-2 ↩︎

  2. https://spritrechner.biz/co2-rechner-fuer-autos.html ↩︎

  3. Neben der Reisezeit zahlen die meisten Menschen ein zweiten Mal, nämlich die höheren Mieten in den Ballungsräumen. Und da sich die Menschen, die beruflich in der Stadt sein müssen, und die, die es wollen, einen Wohnungsmarkt mit Ihnen teilen, zahlen auch sie. ↩︎


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